Mehr Erfolg durch situationsbedingte Werbung
Werbung ist auch nicht mehr das, was sie einmal war. Das zeigt sich schon im Namen – der altmodische Begriff „Reklame“ ist längst aus unserem Sprachgebrauch verschwunden. Heute verwendet man weit ausgefeiltere Methoden, um möglichen Kunden Dinge zu verkaufen, die sie haben wollen oder zumindest haben wollen sollen. Begriffe wie „Ambient Media“ spielen eine zentrale Rolle dabei. Die Überlegung hinter diesem Konzept ist ganz einfach: Wenn man zuhause im Fernsehen einen Film sieht und dieser für ein paar Werbespots unterbrochen wird, dann nutzt man die Zeit, um schnell mal auf die Toilette zu gehen oder sich etwas zu trinken zu holen. Wenn der Film bisher nicht so gut war, zappt man vielleicht auch einfach zu einem anderen Kanal und bleibt dort hängen – zumindest bis zum nächsten Werbeblock. Mit anderen Worten: Die Werbung, für die die werbetreibenden Unternehmen extrem viel Geld bezahlen, läuft ins Leere, ihre Wirkung verpufft einfach. Schlichtweg deshalb, weil sie die Leute nicht interessiert – und man sich ihr ohne Probleme entziehen kann.
Ganz anders ist es, wenn man dem Publikum jeweils die Werbung präsentiert, für die es sich wirklich interessiert – und das auch noch in einer Situation außer Haus, aus der der Umworbene nicht einfach fliehen kann oder will. Ein Beispiel ist die Stammkneipe an der Ecke. Wer hier ein Bier trinkt, der interessiert sich in der Regel für ganz bestimmte Dinge. Für neue Biersorten natürlich, vermutlich auch für andere Getränke. Meist aber auch für Sport – vielleicht auch für Musik. Schon manch einer hat im Irish Pub eine CD mit irischer Folklore gekauft, an der er im Fachhandel vorbeigelaufen wäre. Und wer kennt nicht die vielen Postkarten mit Werbemotiven, die in so vielen Kneipen ausliegen und die man dort so witzig findet, dass man sie gleich mit nach Hause nimmt? Nach demselben Prinzip funktioniert die Verteilung von Leseproben im Wartezimmer von Ärzten. Wer gerade Schmerzen hat, der findet jede noch so teuere Therapie interessant, die ihm Linderung verspricht. Wo hier die Grenze des Vertretbaren liegt, muss jeder für sich selbst entscheiden.
