Die Zeitung: Klassisches Medium oder Crossmedia
Früher zählte die Tageszeitung zu den wichtigsten Tagesaktuellen Medien. Früher? Soll das heißen jetzt etwa nicht mehr? Das kommt ganz auf den Blickwinkel an, aus dem die ganze Sache betrachtet. Die erste Frage die man sich stellen muss ist, ob das klassische Zeitungsabo noch immer ein adequater Vertriebskanal ist. Die zunehmende Entwicklung hin zu einer individualisierten und weniger stark strukturierten Gesellschaft steht im Widerspruch zu einem Vertriebsmodell bei dem jeden Tag zur gleichen Zeit das Produkt vor der Tür landet. Die Schlagwörter der heutigen Zeit sind flexibilität, “timeless time” und “spaceless space”. Hinzu kommt, dass die Zeitung in ihrer gedruckten Form eben Tagesaktuell ist. Das Problem dabei ist, dass Zeitungsleser vom Internet verwöhnt sind. Das Netz bietet nunmal die Möglichkeit, Daten quasi in Echtzeit abzufragen.
Glücklicherweise wissen sich die Zeitungen zu helfen. Zunehmend verlagern sich kommerzielle und redaktionelle Schwerpunkte zunehmend in den online Bereich. Große Zeitungen wie der englische Guardian oder auch der deutsche Spiegel und die Welt haben mittlerweile ihre Prioritäten geändert. “Web-first” oder auch “online-first” lautet hier die Devise. Statt mit der Veröffentlichung von Nachrichten auf den Redaktionsschluss und das Erscheinen der Printausgabe zu warten werden Nachrichten und Content quasi ad-hoc auf der Online-Plattform der jeweiligen Zeitung veröffentlicht. Das birgt allerdings auch ein gewisses Risiko, die legitime Frage für jemanden der ein Zeitungsabo bezieht ist, wozu er noch bezahlen soll wenn er auch eine Zeitung gratis im Netz lesen kann. Entkräften kann man das natürlich mit dem was man als offline Charakter beschreiben könnte. Das Papier auf dem die Zeitung gedruckt ist, das Ritual des morgentlichen Zeitunglesens, der entschleunigende Effekte des analogen Mediums – all das sind Eindrücke und Erfahrungen die eine Zeitung auf dem Bildschirm nicht vermitteln kann.
Dieses Dilemma drückt sich auch in wirtschaftlichen Zahlen aus. Wie die Tageszeitung DER STANDARD kürzlich berichtete, werden verschiedene Tageszeitungen wie die London Times ihr online Angebot zukünftig nur noch gegen Bezahlung zur Verfügung stellen. Damit soll der Kultur des kostenlosen Konsum und Gratisabo entgegengewirkt werden. Besonders da die Aufmerksamkeit der Leser und Leserinnen seit jeher ein wirtschaftliches Gut für Tageszeitungen darstellen. Diese Aufmerksamkeit wird in Form von Werbeflächen zu Tausender-Kontakt-Presien (TKP) an die Werbewirtschaft verkauft. Da dieses Geschäft im online Bereich anderen Regeln folgt und bei weitem nicht so einträglich ist wie offline, müssen sich Zeitungen zunehmend alternative Einkommensquellen schaffen um ihr langfristiges Überleben zu sichern.
